Wie lösen wir das Nitratproblem
in der Landwirtschaft?

Seien Sie herzlich willkommen zu Fachforum der Leipziger Ökonomischen Societät. Folgende Fragen stehen im Fokus dieser Veranstaltung:

  • Die Nitratkonzentrationen der Grundwasserkörper in Deutschland sind seit einigen Jahren leicht rückgängig, jedoch nach wie vor zu hoch. Insgesamt hat die Landwirtschaft hieran einen erheblichen Anteil.

  • Die nationale Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie im deutschen Düngerecht sah vor, Flächen mit erhöhter Nitratbelastung auszuweisen (sogenannte rote Gebiete), für die strengere Bewirtschaftungsauflagen zur Anwendung kommen.

  • Das Bundesverwaltungsgericht hat jedoch im Oktober 2025 entschieden, dass Teile der rechtlichen Umsetzung auf keiner tragfähigen gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage beruhen.

  • In der praktischen Umsetzung hat sich zudem gezeigt, das die Ausweisung roter Gebiete nicht geeignet ist, die Nitrataustragsrisiken aus der Landwirtschaft verursachergerecht abzubilden.

  • Die Lösung des Nitratproblems in Deutschland ist nur mit einer Neuausrichtung des Düngerechtes möglich.

Die Leipziger Ökonomische Societät e.V. unterbreitet mit den nachfolgenden Impulsen Vorschläge zur Neuausrichtung des Düngerechtes in Deutschland und stellt diese zur Diskussion.

Lassen Sie uns Ihre Meinungen und Anregungen hierzu gern per Mail an info@leipziger-societaet.de zukommen.

Wir wollen dies gemeinsam mit Ihnen zu unserem Fachforum "Wie lösen wir das Nitratproblem in der Landwirtschaft?" am 03.07.2026 diskutieren.

Der Diskussion stellen sich alle Autoren der Vorschläge, kompetente Experten sowie der Sächsische Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Georg-Ludwig von Breitenbuch.

Programm

14:00

Begrüßung und Einführung in das Thema – Rene Döbelt (LöS) Grußwort der gastgebenden Einrichtung – Prof. Dr. Dr. Alexander Starke (Universität Leipzig)

14:10

Das Nitratproblem in der Landwirtschaft und die Spezifik im mitteldeutschen Agrarraum – Dr. Matthias Schrödter (LLG)

14:35

Prozesse der Nitratverlagerung im Boden – Stefan Werisch (BfUL, Lysimeterstation Brandis)

14:55

Digitale Lösungen zur Bewertung von Nitrateintragsrisiken – Prof. Dr. Kurt-Jürgen Hülsbergen (TUM), Dr. Christiane Peter (LfULG), Joseph Donauer (TUM)

15:25

Pflanzenbauliche Möglichkeiten der Nitrateintragsminderung – Dr. Michael Grunert (LfULG), Dr. Walter Schmidt (LöS)

15:45

Diskussion

16:05

Kaffeepause

16:35

Praktische Erfahrungen bei der gewässerschonenden und stickstoffeffizienten Landbewirtschaftung - Marc Büchner (AgUmenda GmbH) und Dr. Björn Küstermann (Petersberger Agrar-GmbH)

17:05

Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zwischen Wasserwirtschaft und Landwirtschaft auf kooperativer Basis – Josef Schmitz (LK NRW)

17:25

Diskussion

17:45

Grußwort Staatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch – (SMUL) anschließend Austausch

18:30

Schlusswort – Dr. Martin Schneider (LöS)

Moderation: Dr. Uwe Bergfeld, Joachim Kurzer (LöS)

LöS – Leipziger Ökonomische Societät e.V.
LLG – Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt
TUM – Technische Universität München
LfULG – Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
LK NRW – Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
SMUL – Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Ein kurzes Credo

Das Problem zu hoher Nitratkonzentrationen in Grundwasserkörpern in Deutschland lässt sich nur lösen, wenn dabei Standortbedingungen, Bodenprozesse, Pflanzenbau, Bewirtschaftung und Gewässerschutz gemeinsam betrachtet und daraus abgestimmte Strategien zur wirksamen Nitrataustragsminderung entwickelt und umgesetzt werden. Pauschale Vorgaben greifen zu kurz und können insbesondere im Mitteldeutschen Trockengebiet langfristig die Bodenfruchtbarkeit beeinträchtigen.

Die zentralen Erkenntnisse des Fachforums sind:

  • Der Standort muss Ausgangspunkt aller Maßnahmen sein. Bodenart, Wasserhaushalt, Klima, Ertragspotenzial und Bewirtschaftungsgeschichte bestimmen, wie Stickstoff umgesetzt, gespeichert und verlagert wird.
  • Düngung und Nitrataustrag stehen kurzfristig nicht immer in einem direkten Zusammenhang. Die Lysimeteruntersuchungen der Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft am Standort Brandis in Sachsen zeigen, dass über wenige Jahre – abhängig vom Boden – keine einfache Beziehung zwischen der aufgebrachten N-Düngermenge und dem ausgewaschenen Nitrat bestehen muss.
  • Die Böden enthalten erhebliche, über Jahrzehnte aufgebaute Stickstoffvorräte. Humusbildung, Mineralisierung und weitere Umsetzungsprozesse beeinflussen die Stickstofffreisetzung. Diese Prozesse sind nur begrenzt durch den Landwirt steuerbar und können auch unabhängig von einer aktuellen Düngung zu N-Austrägen führen.
  • Das Nitratproblem darf nicht allein auf die N-Düngung reduziert werden. Entscheidend ist das gesamte Pflanzenbausystem: Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Bestandesentwicklung, Zwischenfrüchte, Ertragsstabilität und die vom Wetter gesteuerte Stickstoffaufnahme über das Jahr. Selbst auf stillgelegten Flächen wurden in Versuchen im Grundwasser Nitratkonzentrationen von mehr als 70 mg/l Wasser festgestellt.
  • Digitale Düngungsprogramme wie WebBESyD ermöglichen auf der Grundlage von Standortfaktoren, Ertragspotenzialen und Nährstoffdaten eine standort- und flächengenaue verursachergerechte N-Düngung. Diese digitalen Instrumente müssen umfassend in der landwirtschaftlichen Praxis und in der Beratung angewendet werden. Auf diese Weise ist mittel- bis langfristig eine wirksame Absenkung der N-Konzentrationen im Grundwasser möglich.
  • Betriebsindividuelle Beratung zur N-Düngung ist ein zentraler Erfolgsfaktor. Praktische Erfahrungen aus Sachsen zeigen, wie angepasste Fruchtfolgen, konsequenter Zwischenfruchtanbau, konservierende Bodenbearbeitung, gezielte Boden- und Pflanzenanalysen, teilflächenspezifische N-Düngung und ein effizienter Einsatz organischer N-Dünger zur Verringerung von Nitratausträgen beitragen können.
  • Kooperation ist wirksamer als Konfrontation. Die Erfahrungen der Wasserschutzberatung in Nordrhein-Westfalen verdeutlichen den Nutzen und die Wirksamkeit einer langfristigen, freiwilligen und regional angepassten Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Beratung, Wasserwirtschaft und Behörden im Hinblick auf den Schutz von Grundwasser vor N-Einträgen.

Im Rahmen des Fachforums wurden zudem die Thesen der Leipziger Ökonomischen Societät zur Lösung des Nitratproblems in der Landwirtschaft diskutiert. Staatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch unterstrich die Bedeutung einer faktenbasierten Weiterentwicklung bzw. Neuausrichtung des Düngerechts.

Fazit: Die Ausweisung roter Gebiete und die damit verbundenen pauschalen Maßnahmen sind nicht geeignet, die Nitrataustragsrisiken aus der Landwirtschaft und die damit verbundene Grundwasserbelastung verursachergerecht abzubilden. Erforderlich ist vielmehr ein wissenschaftlich fundiertes, standortbezogenes und praxistaugliches Nährstoffmanagement.. Die zur Lösung des Nitratproblems formulierten Thesen der Leipziger Ökonomischen Societät sollen auf Grundlage der Diskussion weiterentwickelt und politischen Entscheidungsträgern übergeben werden.

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Wann?

Freitag, den 03. Juli 2026
14:00 - 18:30 Uhr

Wo?

Universität Leipzig Veterinärmedizinische Fakultät

An den Tierkliniken 5
04103 Leipzig

Hörsaal im Herbert-Gürtler-Haus