
Mitteldeutsches Forum Landwirtschaft - Leipzig 2026
Ernährungssouveränität – strategischer Wert für Politik, Gesellschaft und landwirtschaftliche Praxis?
Ein kurzes Credo zur Veranstaltung
Ist Ernährungssicherheit nach wie vor eine Selbstverständlichkeit oder hat Ernährungssouveränität inzwischen einen strategischen Wert für Politik, Gesellschaft und landwirtschaftliche Praxis?
Das war die zentrale Frage des ersten Mitteldeutschen Forums Landwirtschaft am 03.02.2026 in Leipzig, auf dem hochrangige Referentinnen und Referenten aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung, Industrie und landwirtschaftlicher Praxis mit einem breit gefächertem Publikum in den Diskurs gingen.
Geopolitische Umbrüche, Klimawandel und fragiler werdende Lieferketten haben neue Rahmenbedingungen geschafften, durch die sich die Frage der Ernährungssouveränität heute in einem ganz andere Licht darstellt.
Was versteht man aber eigentlich unter Ernährungssouveränität? Mehrer Referenten der Tagung wiesen darauf hin, dass der Begriff historisch oft als vollständige regionale Ernährungsautarkie verstanden wurde.
Ihr Selbstverständnis von Ernährungssouveränität hatten die Veranstalter jedoch gleich in der Einladung zum Forum klargestellt:
„Die Souveränität eines Gemeinwesens über ihr Ernährungssystem ist einer der entscheidenden Faktoren für die gesellschaftliche Stabilität. Leider wandert das Ernährungssystem immer mehr an den Rand der öffentlichen und politischen Wahrnehmungen und Interessen. Birgt das Risiken? Besteht diesbezüglich Handlungsbedarf?“
Die wichtigsten Botschaften aus der Veranstaltung fassen wir gern wie folgt zusammen:
- Der Ernährungssouveränität kommt angesichts neuer Rahmenbedingungen eine zentrale staatspolitische Bedeutung zu. Auch bei unterschiedlichen möglichen Krisenszenarien muss die Ernährungsversorgung der Bevölkerung gesichert sein, um gesellschaftliche Stabilität zu erhalten. Dies bedarf einer strategischen Ausgestaltung des Ernährungssystems und einer proaktiven Bewertung der Risiken. Hierbei gibt es noch erhebliche Defizite.
- Ein stabiles nationales Ernährungssystem ordnet sich strategisch in den Weltagrarhandel ein und nutzt dessen Vorteile. Ein stabiles nationales Ernährungssystem ist aber vor allem ein leistungsfähiges und wirtschaftlich tragfähiges eigenes Ernährungssystem, gerade auf einem Gunststandort wie bei uns in Deutschland. Das eigene Ernährungssystem muss wieder stärker in den Fukus des öffentlichen und politischen Interesses rücken und eine höhere Wertschätzung genießen.
- Die Ernährungssouveränität muss ein fester Bestandteil der nationalen und europäischen Agrarpolitik werden. Neben der primären Ausrichtung der Landwirtschaft in Hinblick auf Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz sowie Tierschutz in den letzten Jahren muss die Ernährungssicherheit als gleichberechtiget Säule verankert werden. Erste Überlegungen gibt es diesbezüglich. Hier stehen wir jedoch noch ganz am Anfang.
- Mehr Ernährungssouveränität heißt nicht, mehr und neue Bürokratie aufzubauen. Wir brauchen einen Ernährungssektor, der leistungsfähig und flexibel ist, die unterschiedlichsten denkbaren Szenarien zu meistern und wir brauchen eine intelligente Risikobewertung, die Eventualitäten bewertet und proaktiv Handlungserfordernisse ableitet und aufzeigt.
Weitere Detail können Sie gern den Kurzfassungen zu den einzelnen Vorträgen entnehmen.
Wie sehen Sie dieses Thema? Schreiben Sie uns gern Ihre Meinung hierzu an info@leipziger-societaet.de.
Das 2. Mitteldeutschen Forums Landwirtschaft planen wir für das kommende Jahr wieder im gleichen Zeitraum Ende Januar / Anfang Februar. Sollten Sie Hinweise zur inhaltlichen und organisatorischen Ausrichtung der Veranstaltung haben, so schicken Sie uns gern Ihre Meinung an info@leipziger-societaet.de – wir würden uns freuen.
Programm
Ab 12:00 Uhr Registrierung, Willkommenssnack
13:00 Uhr Eröffnung und Begrüßung
mit anschließender Führung durch das Programm
René Döbelt, Vorstandsvorsitzender Leipziger Ökonomische Societät e.V.
Wie resilient ist das Ernährungssystem in Sachsen (... zur Kurzfassung)
Impulsvortrag durch den Schirmherrn der Veranstaltung
Georg-Ludwig von Breitenbuch, Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft
Block I: Impulsvorträge aus Politik und Wissenschaft
Geopolitische Rahmendaten für die Ernährungssicherheit – aktuelle Situation und Trends (... zur Kurzfassung)
Dr. Bettina Rudloff, Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP), Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin
Auswirkungen internationaler Trends auf die Ernährungssouveränität in Deutschland (... zur Kurzfassung)
Prof. Dr. Martin Banse, Leiter des Thünen-Instituts für Marktanalyse, Braunschweig
Internationale Zusammenarbeit und EU-Agrarpolitik des BMLEH - Rahmenbedingungen für die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft (... zur Kurzfassung)
Antje Frehse – Leiterin der Abteilung 6 "EU-Angelegenheiten, Gemeinsame Agrarpolitik, Internationale Zusammenarbeit, Welternährung" im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Berlin
Wie müssen sich landwirtschaftliche Betriebe bei globalen und nationalen Veränderungen strategisch aufstellen? (... zur Kurzfassung)
Karl-Heinz Mann, LBB Ländliche Betriebsgründungs- und Beratungsgesellschaft mbH, Göttingen
Podiumsdiskussion
Moderation
Prof. Alfons Balmann, Direktor am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformations-ökonomien (IAMO) und Sprecher des Beirates der Leipziger Ökonomischen Societät e.V.
Block II: Beiträge aus der Ernährungswirtschaft und aus landwirtschaftlichen Betrieben
Perspektiven der Milchproduktion - welchen Beitrag leisten die Milchproduzenten zur Ernährungssouveränität? (... zur Kurzfassung)
Philipp Goetz, Head of Sales & Business Development, IFCN Dairy Data, Knowledge, Inspiration, Kiel
Perspektiven der Getreideproduktion - welchen Beitrag leisten die Getreideproduzenten zur Ernährungssouveränität? (... zur Kurzfassung)
Konstanze Fritzsch, Dresdener Mühle GmbH
Podiumsdiskussion
Wie stellen sich die Unternehmen der Land- und Ernährungswirtschaft auf zu erwartende wirtschaftliche Veränderungen, die nachhaltige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und eine höhere Resilienz der Ernährungssicherheit ein?
Es diskutieren
- Rainer Stauch, Agrargenossenschaft Langenchursdorf (Sachsen)
- Dr. Stefan Blöttner, Agrargenossenschaft Teichel e.G. (Thüringen)
- Christian Geßner, Agrargenossenschaft Bad Dürrenberg e.G. (Sachsen-Anhalt)
- Philipp Goetz, IFCN GmbH Kiel
- Konstanze Fritzsch, Dresdener Mühle GmbH
- Prof. Alfons Balmann, Direktor des IAMO und Beirat der Leipziger Ökonomischen Societät e.V.
- Rene Döbelt, Landgut Nemt Gruppe
Moderation
Thomas Künzel, Chefredakteur der DLG-Mitteilungen
Ein kurzes Resümee
Dr. Uwe Bergfeld, Vorstandsvorsitzender Leipziger Ökonomische Societät e.V.
Wir bedanken uns für die Unterstützung bei den Unternehmen















